Kindergruppe Regenbogen

Sabine (10) breitet ihre Arme wie Flügel aus, sie sitzt auf einem Isländerpferd und strahlt über das ganze Gesicht. Man sieht ihr an, dass sie in diesem Moment glücklich ist.

Markus (11) erzählt in der Blitzlichtrunde, die am Anfang jeder Gruppe steht, dass er keine Freunde mit nach Hause bringen kann, weil seine Mutter oft mittags schon betrunken auf dem Sofa liegt. Er kümmert sich dann um das Essen und versorgt seine kleinere Schwester.

 Dies sind nur zwei Beispiele aus der Arbeit der Kindergruppe "Regenbogen".

Die Kindergruppe Regenbogen ist eine Gruppe für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren, die aus suchtbelasteten Familien kommen. Eine suchtbelastete Familie bedeutet die Abhängigkeit eines Elternteils von Alkohol, Medikamenten, Drogen oder auch das Vorliegen einer sogenannten nichtstofflichen Sucht wie z.B. Spielsucht.

Dabei ist es nicht wichtig, ob das Elternteil noch in der Familie lebt, die Abhängigkeitsproblematik schon bearbeitet wird oder aber (noch) keine Veränderungsmotivation beim Betroffenen vorliegt.

Als Projekt der Suchtberatung des Diakonischen Werkes Karlsruhe geplant und in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Karlsruhe entwickelt, trifft sich die Gruppe seit Januar 1997.

Warum sollten Kinder aus suchtbelasteten Familien an einer Kindergruppe teilnehmen:

Suchtprobleme der Eltern oder eines Elternteils haben immer Auswirkungen auf die gesamte Familie. Die Kinder bemerken, dass etwas nicht stimmt und übernehmen Verantwortung für das Gleichgewicht in ihrer Familie. Diese Verantwortungsübernahme überfordert sie. Oft fühlen sie sich mitschuldig und versuchen zu helfen.

Es gibt Hilfsangebote für die Betroffenen sowie für deren Angehörige, aber die Kinder bleiben dabei häufig unbeachtet. Da Sucht jedoch die gesamte Familie betrifft, müssen wir auch die Kinder in unsere Arbeit einbeziehen.

Ziel der Kindergruppe ist es den Selbstwert der Kinder zu stärken, den Zugang zu und das Einbringen von Gefühlen zu erleichtern. Kinder von suchtkranken Menschen haben ein 5x höheres Risiko selbst später an einer Abhängigkeit zu erkranken. Gleichzeitig schützen bestimmte Fähigkeiten wie Kontaktfähigkeit, Kompetenzen im Umgang mit belastenden Gefühlen, Kreativität und Problemlösefertigkeiten nachgewiesenermaßen davor.

Diese Fähigkeiten  sollen in unserer Kindergruppe gestärkt und gleichzeitig auch für die Kinder ein sicheres positives und Halt gebendes Element in ihrem Alltag geschaffen werden, in welchem Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit mit anderen Kindern, die ähnliches erleben oder erlebt haben aufgebaut werden kann.

Wir arbeiten nach Ansätzen aus der Erlebensorientierten Psychotherapie und der Familientherapie. Wir integrieren auch Elemente des ersten wissenschaftlich fundierten Konzeptes für Kindergruppen mit Kindern aus suchtbelasteten Familien „Trampolin“. , das vom Bundesgesundheitsministerium gefördert und von

Prof. Dr. med. Rainer Thomasius vom Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) sowie Prof. Dr. rer. nat. Michael Klein vom Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen Abt. Köln entwickelt wurde.

Auch das therapeutische Reiten ist ein wichtiger Bestandteil und dient dem Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls, von Beziehungs- und Kontaktfähigkeit sowie dem Vermitteln von Entspannungsfähigkeit.

Die Kinder können bei uns Kind sein, Spaß haben, aber auch über Themen wie Sucht, Gewalt, Ängste reden und erhalten kindgerecht wichtige Inhalte vermittelt über Suchtkrankheit, Problemlösefertigkeiten und auch die kindgerechte Vermittlung von Entspannungsübungen

Die Gruppe wird von zwei Therapeuten begleitet: einem Familientherapeuten und einer Psychologischen Psychotherapeutin mit einer zusätzlichen Ausbildung als Reittherapeutin. Sie trifft sich wöchentlich freitags 15.15 bis 16.45 in Karlsruhe sowie 14tägig mittwochs zum therapeutischen Reiten.

Um ein angemessenes Eingehen auf die Kinder zu ermöglichen beträgt die maximale Gruppengröße 8 Kinder. Interessierte Kinder und Eltern können kurzfristig ein Vorgespräch erhalten. Die Kinder können danach an der Gruppe teilnehmen oder sich auf die Warteliste setzen lassen. Die Gruppe endet für jedes Kind dann, wenn es für das Kind therapeutisch sinnvoll ist, sodass die Gruppenteilnahme von der Dauer her offen ist.

Anfragen direkt bei Dr. Martina Rapp, Kindergruppentelefon: 0176-49926658.